Bilderleiste Kammerchor Rämibühl Zürich

Bach Kantante BWV 147 und Mozarts Krönungsmesse

Nach unserem gigantischen Musicalprojekt „Hair“ im letzten Herbst beschäftigt sich der Chor des Real- und Literargymnasiums Rämibühl nun mit zwei klassischen Chorwerken. Die verschiedenen Rezitative und Arien werden von einer ehemaligen Schülerin sowie aktuellen Gesangslehrern der Schule gesungen, das Ensemble La Chappelle Ancienne betreut die Orchesterbegleitung. Im Chor singen bei diesem Projekt über 80 Schülerinnen und Schüler.

Der Eintritt ist frei – Kollekte zur Deckung der Unkosten

Download Flyer

Die Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ von Johann Sebastian Bach ist zum 2. Juli 1723 (Mariae Heimsuchung) durch Umarbeitung einer Weimarer Kantate nach einem Text des Hofdichters Salomon Franck entstanden. Die heute vorliegende Leipziger Fassung ist das Resultat einer Erweiterung durch 3 Rezitative.
Der Textdichter ereifert sich nach Art eines Predigers gegen die Verstockung der verblendeten (Satz 2 und 4) und flicht zugleich zahlreiche Anspielungen auf den Lesungstext ein. So z.B. wenn Satz 4 berichtet, dass des Höchsten Arm Gewaltige vom Stuhle stosse und die Elenden erhebe oder wenn Satz 8 das Hüpfen des Johannes im Mutterleibe erwähnt. Mit den Strophen 6 und 16 des Liedes „Jesu, meiner Seelen Wonne“ von Martin Jahn (1661) bekennt sich auch die versammelte Gemeinde, vertreten durch den Chor, zu Jesus als dem Schatz, den es zu bewahren gilt.
Den festlichen Charakter der Kantate unterstreicht die Besetzung mit einer Solotrompete, mit Pauken, 2 Oboen, Fagott, Streichern und Basso continuo. Der Einleitungschor ist ein Muster an ausgewogener Symmetrie. Formal liegt ein italienisches Concerto mit den typischen Ritornellen vor. Hier finden sich Abschnitte reiner Instrumentalmusik, A-cappella-Chorstellen aber auch orchesterbegleitete Chorfugen.
Der Geringstimmigkeit der drei ersten Arien steht die Vollstimmigkeit der letzten gegenüber „Ich will von Jesu Wunden singen“, für die das ganze Instrumentarium aufgeboten wird. Der Satz hat wieder konzerthaften Charakter. Dem markanten Kopfthema folgt eine sequenzierende Fortführung, durch Hinzutreten und Aussetzen der Oboen werden Echoeffekte erzielt. Die beiden Schlusschoräle des ersten und zweiten Teils Wohl mir, daß ich Jesum habe und Jesus bleibet meine Freude werden durch eine triolische Streichermelodie umrahmt und gehören wohl zu den beliebtesten und bekanntesten Kompositionen Bachs, nicht zuletzt durch zahlreiche Bearbeitungen und Aufführungen durch die Pianisten Myra Hess und Dinu Lipatti.

Bild einer Probe in Männedorf Bild einer Probe in Witikon
Der Name Krönungsmesse ist erst für das Jahr 1873 schriftlich nachgewiesen. Sehr wahrscheinlich wurde sie für den Ostergottesdienst 1779 am Salzburger Dom, der auf den 4. April fiel, komponiert. Unmittelbar nach Mozarts Tod wurde sie zur bevorzugten Komposition für Gottesdienste bei Kaiser- und Königskrönungen sowie bei Dankgottesdiensten. Zum ersten Mal dürfte sie im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Franz II. verwendet worden sein.

Das Kyrie hat eine dreiteilige Bogenform, bei der die vom Chor gesungenen Eckteile durch dynamische Kontraste und punktierte Rhythmen geprägt sind, während der kantable, im Tempo etwas bewegtere Mittelabschnitt des Satzes den Solostimmen Sopran und Tenor in Zwiesprache mit der ersten Oboe überlassen ist. Auch das Gloria gewinnt durch seine reprisenartige Wiederkehr der Anfangsmusik an der Textstelle „Quoniam tu solus sanctus“ eine überzeugende Geschlossenheit. Chor und Solisten tragen den relativ umfangreichen Text dieses von einer festlichen Grundstimmung geprägten Messenteils wechselweise vor. Im Credo haben die zentralen Aussagen von der Menschwerdung und der Kreuzigung Christi „Et incarnatus est“ und „Crucifixus“ durch langsames Tempo, spannungsvolle Harmonien und das die Singstimmen umrankende Figurenwerk der Violinen eine eindrucksvolle musikalische Umsetzung erfahren. Die übrigen, ausgesprochen schwungvollen Abschnitte des Credos lassen einen rondoartigen Aufbau erkennen. Wie es häufigem Gebrauch entspricht, geht das Santus nach einer majestätischen breiten Einleitung beim „Osanna in excelsis“ in ein schnelles Tempo über. Dieses Osanna wird im Anschluss an das vom Soloquartett gesungene, dem Charakter einer Kavatine nicht unähnlichen Benedictus wieder aufgegriffen. Mit einer tiefempfundenen Sopranarie, deren Musik er später im dritten Akt des Figaro wiederverwenden sollte („Dove solo i bel momenti“) leitet Mozart das Agnus Dei ein, ehe er dann bei „Dona nobis pacem“ einen strettamässig gesteigerten Rückgriff auf das Kyrie bringt.

Beat Fritschi